Online-Nachschlagewerk: 1.000 Jahre altes Manuskript mit pflanzlichen Heilmitteln

Eine der Doppelseiten aus dem alten Kräuterheilbuch, das nun online Seite für Seite im Netz zu sehen ist.

Aus der östlichen Medizin wissen wir, dass die Pflanzenheilkunde eine uralte Tradition ist und auch heute noch immens wichtig und weit verbreitet. Und auch hier im „Westen“ wenden sich viele wieder dem alten Wissen um die Heilpflanzen zu. Doch sehr vieles an Wissen, die so genannte „Hausmedizin“ ist in Vergessenheit geraten. Die Anzahl an Heilpflanzen, die der Normalbürger kennt, ist auf vielleicht ein Dutzend zusammengeschrumpft. Die meisten wissen vielleicht nur noch, dass Kamillentee gut ist, wenn man Magenschmerzen hat.

Doch das Interesse an Heilpflanzen erwacht wieder, zusammen mit einem offeneren Auge für die Natur und größerer Vorsicht im Umgang mit chemischen Pharmazeutika. Alte Heilpflanzenbücher werden neu aufgelegt und es gibt diverse Heilpflanzenlexika online.

Ein sehr altes, besonders schön illustriertes Buch zu Heilpflanzen und ihrer Anwendung ist nun in die Online-Sammlung der British Library aufgenommen worden. Der Codex Cotton MS Vitellius C III  ist ein 1.000 Jahre altes illustriertes Handbuch für die Pflanzenpharmakologie und wurde nun für die Online-Anzeige digitalisiert und Seite für Seite online gestellt. Man kann durch die Seiten blättern und sich an den schönen Zeichnungen erfreuen, aber auch die Beschreibungstexte und Rezepte lesen. Es ist allerdings alles in einer nicht ganz leicht zu lesenden Handschrift und mittelalterlichen Englisch.

Das Buch stammt aus dem 11. Jahrhundert ist voll mit „Kräutern“, natürlichen Behandlungen auf Pflanzenbasis, die alles – vom Körpergeruch (Artischocken im Wein köcheln) bis zur Linderung von Schmerzen in der Brust (Süßholzwurzel) – behandeln. Wenn man den hochauflösenden Scan vergrößert, erschließt sich die alte englische Schrift und detaillierte Zeichnungen der Pflanzen und Tiere in faszinierend gestochener Schärfe. Die Pflanzen sind sehr detailliert gezeichnet, man erkennt sie gut und kann sie identifizieren, auch wenn man die alten, englischen Namen nicht kennt.

Obwohl die Anwendung von Heilkräutern in der angelsächsischen Medizin einst weit verbreitet war, ist dieses Manuskript der British Library das einzige erhaltene, illustrierte Old English Manual. „Niemand weiß genau, wie dieses Manuskript verwendet wurde oder sogar, von wem es geschrieben und gezeichnet wurde“, teilt die Projektkuratorin Alison Hudson mit . „Seine Machart wurde wegen des Dekorations- und Skriptstils mit den klösterlichen Skriptorien von Canterbury und Winchester in Verbindung gebracht, aber das ist keineswegs sicher. Klöster in diesen Gebieten fungierten sowohl als natürliche und spirituelle Heilungszentren als auch als Bibliotheken und Lernzentren. “

 

 

Jeder Eintrag im Handbuch listet den Namen der Pflanze oder des Tieres in verschiedenen Sprachen auf, dazu die Beschreibungen von Beschwerden, die mit dem jeweiligen Kraut behandelt werden können sowie genaue Anweisungen, wie und wo man die Heilkräuter finden und aufrbereiten kann. Es sind allerdings auch Heilpflanzen, wie Kümmel darin zu finden, der im mittelalterlichen England nicht heimisch war. Allerdings brachten Händler die Samen damals als Gewürz schon auf die Insel.

Wer Schwierigkeiten hat, das alte Englisch zu verstehen, es steht seit 2002 eine Übersetzung zur Verfügung .

Hier erhältlich!