„Mir ist langweilig und ich habe Hunger“ – eine neue Geschichte von Pferde-Medium Paulien

Paulien ist Europas bekanntestes Tier-Medium, das heißt, dass sie mit Tieren kommunizieren kann – allerdings nicht wie eine „Pferdeflüsterin“, sondern sie kann mit ihnen sprechen wie mit einem Menschen. Hierüber hat sie ein Buch geschrieben, in dem viele Geschichten aufgeführt sind, die sie mit Pferden sowie mit deren Besitzern erlebt hat.

Doch das Leben ist seit dem Erscheinen nicht stehen geblieben und es kommen jede Woche neue, spannende und faszinierende Erlebnisse hinzu – ob mit Tieren oder auch mit Menschen

Heute berichtet sie uns eine Geschichte vom Januar 2019:

„Letzte Woche hatte ich einen Termin bei einer Araberstute und ihrer Besitzerin in Oberösterreich. Als ich dort ankam und in den Stall ging, war es furchtbar dunkel. Es gab kein Tageslicht in diesem Stall, es war fast nichts in den Boxen eingestreut und die Luft und einfach die ganze Atmosphäre war schrecklich.

Nachdem ich die Stute begrüßt hatte und sie fragte, ob sie mit mir sprechen möchte, sagte sie mir, dass sie überhaupt nichts mehr fühlt – sie war deprimiert, sie konnte nicht nach draußen gehen, die anderen Pferde auch nicht, und sie waren alle hungrig, weil sie so wenig Heu bekamen.

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„Mein ‚Frauchen’ kommt jeden Tag, aber sie muss auch arbeiten und dann bin ich so lange in meiner Box – es ist einfach nur langweilig, und Hunger hab ich auch!“, sagte mir die verzweifelte Araberstute.

Ich sagte der Besitzerin, sie solle sich das so vorstellen, als würde sie sich 23 Stunden in einer kleinen Toilette aufhalten, dürfe dann für eine Stunde raus, um danach wieder in die Toilette hinein zu müssen – wie würde sich das anfühlen?

Die Besitzerin sagte, dass sie ein Fohlen für sie wollte, dann wäre sie nicht so einsam. Die Stute wollte aber nicht (deshalb wurde sie auch die letzten zwei Jahre nie trächtig) – sie konnte nicht mal daran denken. Das Fohlen wäre dann auch unglücklich und ebenfalls den ganzen Tag im Stall. Sie wollte überhaupt kein Fohlen – niemals! Die Stute erwiderte, sie wünsche sich so sehr, dass sie wieder jung wäre und vor allem fern von diesem schrecklichen Ort!

Die Besitzerin versprach ihr nun, jeden Tag in den Stall zu kommen und dann mit ihr und mit ihrer Hündin lange Spaziergänge zu machen, weil sie jetzt momentan keine andere Lösung wusste und natürlich das Beste für ihr Pferd wollte. Die kleine Stute sah aber weiterhin traurig aus – sie liebte ihre Besitzerin, aber es war einfach zu wenig für sie. Die Besitzerin sprach auch davon, dass sie mir ihr wieder auf Kurse fahren würde, dann hätte sie viel Zeit mit ihr. Plötzlich spitzte die Stute die Ohren und sagte: „Ja unbedingt – da will ich hin!!!“

Erst jetzt erzählte mir die Frau, dass sie schon bei Kursen in Petras Stall war. Die Stute gab mir nun zu verstehen, dass sie dorthin wolle, sie liebe es dort. Die Kurstage genieße sie immer sehr – ihr Frauchen habe viel Zeit für sie, und sie würden zusammen beim Kurs viel lernen. Darüber hinaus bekäme sie dort eine große gemütliche Box mit sooooo vieeellll Essen J und wäre auch auf der Koppel. Sie könne dort auch alle Pferde sehen, die dort zuhause seien – glückliche Pferde, die fast immer draußen in großen Gruppen wären und immer zu fressen hätten. Sie fand es immer schrecklich, wenn sie nach dem Kurs wieder in ihren eigenen Stall zurückkehren musste.

Die Besitzerin bestätigte all das, aber wie sollte sie das arrangieren? „Ich weiß doch, dass in Petras Stall kein Platz mehr ist.“, meinte sie.

Nun, ich habe gleich noch im Stall – während ich neben der Araberstute stand – Petra angerufen und wir vereinbarten, dass wir dann gleich nach der Behandlung dorthin fahren würden. Das Pferd hörte das natürlich ebenfalls und es war ganz außer sich vor Freude. Es sah sich selbst schon dort stehen – endlich ein Pferdeleben!

Als ich sie fertig behandelt hatte, bat die Stute mich, nicht nur sie, sondern auch ihre Pferde-Freunde noch etwas zu füttern, was ich auch tat. Wir haben ihnen allen Heu und warmes Müesli gegeben und sind dann zu Petra gefahren. Und Petra fand auch prompt eine Möglichkeit, dass das Pferd so schnell wie möglich zu ihr in den Stall kommen konnte.

Und nun am Samstag kommt diese süße Stute auf die AP-Ranch, um endlich ein glückliches Leben zu beginnen – und wo vor allem auch ihr „Frauchen“ endlich entspannen kann und sich nicht immer Sorgen um ihr Pferdchen machen muss.

Für dieses Pferd und seine Besitzerin freue ich mich wirklich sehr, aber ich habe auch Mitgefühl mit den Pferden, die zurückbleiben, denn dort ist kein Leben für ein Pferd – kein Fünkchen von Tageslicht und zu essen, und auch keine Freiheit draußen.

Ich finde es schrecklich, dass ich nicht allen Pferden helfen kann…

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