Mehrheit angeblich schlecht über Organspende informiert: Neue Patientenbeauftragte fordert Widerspruchslösung

Zur Überwindung des Organspende-Notstandes fordert die neue Patientenbeauftragte der Bundesregierung, Claudia Schmidtke (CDU), eine Widerspruchslösung, bei der Spender oder deren Angehörige eine Entnahme ablehnen müssen. „Angesichts der vielen tausend Menschen, die in Deutschland verzweifelt auf ein Spenderorgan warten, halte ich diese Pflicht für zumutbar“, sagte Schmidtke im Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass jeder von uns schon morgen in diese Situation kommen und auf ein Organ angewiesen sein könnte.“

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Auch bei einer Widerspruchslösung „bleibt die Spende wie bisher freiwillig“, betonte die Herzchirurgin und Bundestagsabgeordnete. „Jede Person hat die Möglichkeit, einer Organspende einfach und unbürokratisch zu widersprechen.“ Auch wenn sie „klar für die Widerspruchsregelung“ sei, respektiere sie die Gegenpositionen und hoffe auf eine „Auseinandersetzung mit Fairness“ im Bundestag und eine „Grundsatzentscheidung“. Schmidtke sagte: „Das sind wir den vielen Menschen, die auf ein Spenderorgan warten, einfach schuldig.“

WDR-Umfrage: Mehrheit angeblich schlecht über Organspende informiert – Hat sich hier etwa die Organspendelobby wieder heimlich zu Wort gemeldet?

Eine Umfrage der WDR-Redaktion „Quarks“ hat gezeigt, dass der Informationsbedarf beim Thema Organspende groß ist.

Organspenden finden statt, wenn das Hirn nicht mehr arbeitet, aber das Herz noch schlägt. Doch 40 Prozent von gut 1.000 Befragten waren der Meinung, unter diesen Umständen dürften keine Organe entnommen werden. Und 32 Prozent wussten nicht, dass der Hirntod in Deutschland zwingendes Kriterium für die Toten-Spende ist – sie waren der Ansicht, Organe könnten entnommen werden, wenn das Hirn noch arbeitet, während das Herz stillsteht. Interessanterweise wissen hier die Besitzer eines Organspendeausweises nicht besser Bescheid als die Befragten ohne Ausweis.

61 Prozent der von „Quarks“ Befragten haben angegeben, keinen Organspendeausweis zu besitzen. „Quarks“ wollte wissen: Warum? Fast die Hälfte der Menschen ab 65 Jahren (46 Prozent), die keinen Ausweis haben, gab bei der Umfrage Altersgründe an. Dabei existiert für Organspende keine Altersgrenze – ein Organspendeausweis ist also in jedem Alter sinnvoll.

Beatrice Lugger, Direktorin des Nationalen Instituts für Wissenschaftskommunikation, kommentiert: „Die Ergebnisse zeigen, dass selbst die Gruppe, die sich mit der Thematik befasst haben sollte, ehe sie den Organspendeausweis ausgefüllt hat, nicht nachhaltig genug aufgeklärt ist.“

21 Prozent der Befragten, die keinen Ausweis haben, haben sich zudem mit dem Thema noch gar nicht beschäftigt. Für Beatrice Lugger ein Beleg dafür, „angesichts der derzeitig geringen Informiertheit der Bevölkerung“ die in der Diskussion stehende Widerspruchslösung durchaus kritisch zu betrachten.

Über die Ergebnisse berichtet die Sendung „Quarks“ im WDR-Fernsehen und Hörfunk am Dienstag, den 19. Februar 2019 (ab 15.00 WDR 5, 21.00 WDR Fernsehen), außerdem auf facebook und auf www.quarks.de

(Ein Text von Wolfgang van de Rydt)