Dr. Gabor Maté über Kindheitstraumata, die wahre Ursache von Angst und unsere „verrückte“ Kultur

In diesem Interview sprachen wir über eine Vielzahl von Themen, die von der Frage reichen, wie er glaubt, dass die meisten psychischen Erkrankungen ihren Ursprung in einem ungelösten Kindheitstrauma haben, bis hin zu der Frage, warum er die gegenwärtige westliche Kultur als „verrückt“ bezeichnet, weil sie es versäumt, grundlegende menschliche Bedürfnisse zu befriedigen.

Er ging detailliert auf das ein, was er als die Grundursachen von Zuständen wie Angst, Panikattacken und Fibromyalgie sieht. Wir sprachen auch über den Prozess der Wiederverbindung mit dem eigenen authentischen Selbst.

Unter anderem diskutierten wir auch seine Erfahrungen bei der Arbeit mit Pflanzenheilmitteln wie Ayahuasca.

Es war ein echtes Privileg, einige Zeit mit Gabor in London zu sprechen, um wertvolle Einblicke in ein so wichtiges Themenspektrum zu erhalten.

Gabor, vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast, mit Human Window zu sprechen. Du bist unter anderem bekannt als Experte für Sucht, Kindheitstrauma und Geistes-Körper-Gesundheit. Das klingt nach verschiedenen Themen, aber ich schätze, Ihre Arbeit verbindet sie alle in gewisser Weise miteinander. Könnten Sie uns einen kleinen Einblick geben und erklären, wie Ihr Interesse für das Thema entstanden ist?

Sicher, aber in gewissem Sinne bin ich ein absoluter Betrüger, denn ich schreibe all diese verschiedenen Bücher und spreche in vielen verschiedenen Ländern und spreche über Sucht, Kindesentwicklung, Stress, Gesundheit und Erziehung… und ich sage nur eines. Wenn man Kinder gut behandelt, wird es ihnen gut gehen, und wenn man sie nicht gut behandelt, wird es ihnen nicht gut gehen. Es ist eine sehr einfache Botschaft, die viele Urgroßmütter immer wieder sagen könnten. Dass diese Botschaft überhaupt notwendig ist, ist ein Zeichen unserer Zeit.

Als Hausarzt lernt man Menschen in ihrem Leben kennen. Man lernt Familien und verschiedene Generationen in der Familien kennen. Man siehst, wer krank wird, wer stirbt und wer gesund bleibt. Man sieht die Dynamik der Generationen. Das führte mich zu der Erkenntnis, dass es keine zufälligen Ereignisse waren, ob wer krank wurde und wer nicht, wer süchtig wurde und wer nicht, wer psychisch krank war und wer nicht. Es gab Ursachen im Leben der Menschen dafür. Bereits zu Anfang meiner Karriere mit Mitte 30g und auch als ich meine medizinische Karriere mit Mitte 40 begann, war mir sehr bewusst, dass ich kein sehr glücklicher Mensch war. Ich hatte selbst Depressionen. Bei all dem Erfolg, den ich hatte, war ich nicht glücklicher als vorher.

Ich hatte Probleme mit meiner eigenen Familie – meinen Kindern, meiner Ehe, und so weiter. Daher wollte ich mir die Quellen dafür ansehen.

Ob ich nun meine Kunden betrachtete, ob ich meine eigene Geschichte betrachtete und versuchte, mich selbst zu verstehen, ich habe begriffen, dass so viel von dem, worunter Menschen leiden, ob es sich nun um eine körperliche Erkrankung, eine Geisteskrankheit oder eine Sucht handelt, sich alles auf die Erfahrungen in der Kindheit bezieht.

Es war plötzlich klar und eindeutig. Dann entdeckte ich, dass es auch zu diesem Thema eine umfangreiche Literatur gibt. Die Menschen hatten das Trauma und die Entwicklung des Kindes sowie die Beziehung zu Stress und Gesundheit untersucht. Und ich begann, mir die Literatur anzusehen und meine eigenen Ideen und mein eigenes Verständnis dafür zu entwickeln. Es begann mit meiner eigenen persönlichen Erfahrung und auch mit meinen beruflichen Beobachtungen.

Vieles, worüber Sie sprechen, ist ein Kindheitstrauma. Was ist deine Definition von Trauma?

Es ist wichtig, es tatsächlich zu definieren, denn die Menschen verwenden Worte wie „Gott“ und wer weiß, was jemand meint, wenn er „Gott“ sagt. Es könnte eine strafende, diktatorische Vaterfigur mit weißem Bart sein, und jemand anderes könnte die Essenz der reinen Liebe in der Welt bedeuten.

Der Ursprung des Wortes „Trauma“ ist der griechische Begriff für „Wunde“. Ein Trauma ist eine Wunde. Ähnlich wie wenn ich dich tatsächlich verwundet habe, wenn ich tief in dein Fleisch schneide, dann würde die Heilung auch die Bildung von Narbengewebe beinhalten. Wenn die Wunde groß genug wäre, würden eine große Narbe entstehen und sie wäre ohne Nervenenden, so dass man dort nichts fühlen würde. Sie wäre viel weniger flexibel als das normales Gewebe. Trauma ist, wenn es einen Gefühlsverlust gibt und es eine verminderte Flexibilität bei der Reaktion auf die Welt gibt. Dies ist eine Reaktion auf eine Wunde.

Trauma ist eine psychische Wunde, die Menschen psychologisch verhärtet. Sie beeinträchtigt dann deine Fähigkeit zu wachsen und dich zu entwickeln Etwas schmerzte dich sehr und jetzt hast du keine Schmerzen mehr.

Es erzeugt Angst und jetzt handelst du aus Angst. Ohne es zu wissen, wird dein ganzes Leben von Angst und Schmerz bestimmt, dem du auf verschiedene Weise entfliehen möchtest.

Trauma ist nicht das, was mit dir passiert, es ist das, was in dir als Ergebnis dessen passiert, was mit dir passiert ist.

Trauma ist die Narbenbildung, die dich weniger flexibel, starrer, weniger gefühlsbetont und verteidigend macht.

Ich habe in der Vergangenheit erwähnt, dass wir in einer hochgradig traumatisierten Gesellschaft leben. Wie weit verbreitet ist das Trauma in der Gesellschaft heutzutage?

Nun, wenn man sich die Zahlen der offenen Traumata ansieht, wie sexuellen Missbrauch in der Kindheit, emotionalen Vernachlässigungsstress in Familien, der Kinder traumatisiert…. es ist weit verbreitet. Nur sehr wenige Menschen wachsen in dieser Kultur wirklich untraumatisiert auf.

Vor allem mit der zunehmenden Belastung und Einsamkeit der Menschen, so dass sie, wenn sie leiden, mit ihrem Leiden allein sind.

Dies ist eine hoch gestresste und traumatisierende Gesellschaft. Und das kann man nicht von sozio-ökonomischen Faktoren trennen.

Mit Neoliberalismus und dem Verlust der sinnvollen und sicheren Arbeitsplätze der Menschen, Strenge, Verlust von Gemeinschaften – nicht nur werden mehr Menschen gestresst und traumatisiert, sie sind auch weniger widerstandsfähig, weil eine Resilienz unbedingt Verbindung und kommunale Unterstützung erfordert.

Seitdem ich meine eigenen Probleme untersucht habe, ist mir klar geworden, dass wir alle bis zu einem gewissen Grad traumatisiert sind.

Wie denken Sie, versteht die Mehrheit der Menschen Trauma und wie soll sich das ändern?

Nun, zuerst einmal verstehen sie kein Trauma. Sie betrachten es vielleicht als einen Tsunami oder einen Bombenanschlag. Das sind sicherlich traumatische Ereignisse, aber so denken die meisten Menschen über ein Trauma, als etwas Entsetzliches. Sie betrachten es nicht als eine innere psychische Wunde, die dann ihre Fähigkeit, so vollständig wie möglich zu leben, einschränkt, was das Trauma eigentlich ist. Schlimmer noch, der durchschnittliche Medizinstudent hört nicht einmal das Wort „Trauma“ in seiner Ausbildung. Sie hören das Wort nicht! Es ist nicht so, dass sie keinen Vortrag darüber bekommen, sie hören das Wort nicht, nicht in dem Sinne, in dem ich darüber spreche.

Sie hören vielleicht von körperlichen Traumata, aber sie werden nichts von psychischen Traumata hören, außer im engen Bereich der posttraumatischen Belastungsstörung, die einige Psychiater kennen. Ein Trauma, das den Durchschnittsmenschen betrifft, das ist im medizinischen Lexikon nicht einmal berücksichtigt.

Das Rechtssystem weiß auch nichts über Traumata.

Wenn also all diese traumatisierten Menschen vor Richtern und Anwälten stehen, weil sie traumatisiert wurden, weil sie jetzt Drogen nehmen oder gewalttätig sind und ihr Trauma ausleben, werden sie einfach bestraft, anstatt dass das System merkt, dass es sich wirklich um verletzte Menschen handelt.

Sie könnten rehabilitiert werden, wenn sie die richtige Unterstützung erhalten. Das Rechtssystem bekommt es nicht hin, das medizinische System bekommt es nicht hin, das Bildungssystem bekommt es nicht hin, die Politiker verstehen es nicht. Es ist ein großes Problem.

Sie haben in Ihrem Vortrag gestern Abend darüber gesprochen, wie der Verlust der Verbindung zu uns selbst in der Kindheit für viele unserer Probleme als Erwachsene verantwortlich ist. Könnten Sie uns eine kleine Vorstellung davon geben, was Sie damit meinen?

Wenn ich über die Verbindung zu sich selbst spreche, spreche ich über etwas ganz Einfaches. Es ist die Fähigkeit eines Organismus, zu wissen, was er fühlt, und mit Emotionen reagieren zu können, die dem gegenwärtigen Moment angemessen sind.

Ohne diese Fähigkeit kann man nicht überleben. Wenn ein Tier keine Verbindung zu sich selbst hat und nicht weiß, was es fühlt, kann es nicht auf Bedrohungen reagieren – es wird schnell tot sein.

Das Gleiche gilt für Menschen in der Evolution. Wenn ich davon spreche, mit uns selbst verbunden zu sein, dann spreche ich davon, tatsächlich zu wissen, was wir in einem bestimmten Moment fühlen und erleben, und dann in der Lage sind, das richtig zu interpretieren. Ohne diese Kapazität sind wir verloren. Wir wurden mit dieser Fähigkeit geboren – du hast noch nie ein Kind getroffen, das nicht mit seinen Bauchgefühlen verbunden ist.

Wenn man mit Erwachsenen spricht, findet man viele Menschen, die, selbst wenn sie Bauchgefühle haben, diese ignorieren. Zwischen Kindheit und Erwachsensein geschieht etwas, das uns trennt. Was das ist, ist unser Bedürfnis nach Akzeptanz durch unsere Umwelt.

Wenn unsere Umgebung unsere Bauchgefühle und unsere Emotionen nicht unterstützen kann, dann wird das Kind, um „dazu zugehören“ sich anpassen, automatisch, unwissentlich und unbewusst seine Emotionen und seine Verbindungen zu sich selbst unterdrücken, um mit der versorgenden Umgebung verbunden zu bleiben, ohne die das Kind nicht überleben kann. Viele Kinder befinden sich in diesem Dilemma – „Kann ich fühlen und ausdrücken, was ich fühle oder muss ich das unterdrücken, um akzeptabel zu sein, ein gutes Kind zu sein, ein nettes Kind zu sein?

Außerdem, wenn die Eltern selbst nicht mit ihren Gefühlen in Berührung kommen, können sie die Gefühle des Kindes nicht tolerieren, weil sie sich dadurch unbewusst bedroht fühlen. Der Elternteil reagiert gegen das Kind, weil es Wut hat – und das Kind lernt, ich darf nicht ausdrücken, was ich fühle, denn ich muss zu meinen Eltern gehören. Wenn nicht, wer beschützt und pflegt mich dann? Automatisch trennen wir uns von uns selbst, um weiterhin betreut zu werden. Es ist eine tragische Entscheidung. Es ist nicht einmal eine Wahl – das Kind ist sich nicht bewusst, dass es eine Wahl trifft. Es ist ein automatischer Prozess.

Dann kommen wir ins Erwachsenenalter, und plötzlich sagen wir: „Ich weiß nicht, wer ich bin“. Besonders Menschen in der Lebensmitte – sie erkennen, dass sie ein Leben geführt haben, das überhaupt nicht ihr eigenes Leben war. Sie hatten unbewusst ständig die Verbindung zu sich selbst unterbrochen.

Achtzig Prozent der Männer in Kanada gaben an, durch ihre Arbeit gestresst zu sein. Die Wirtschaft braucht Menschen, die sinnlosen Jobs mit untragbaren Umständen nachgehen, aber sie werden es ertragen. Es gibt einen Zusammenhang zwischen den Bedürfnissen der Wirtschaft und der Art und Weise, wie wir Kinder erziehen.

Je mehr Kinder getrennt sind, desto mehr können sie in die Wirtschaft passen, die sich nicht um menschliche Gefühle kümmert, sondern nur um Rentabilität und Produktion. Es ist nur ein Zyklus, der immer weitergeht.

Ihr neues Buch wird den Titel „Der Mythos des Normalen: Krankheit und Gesundheit in einer verrückten Kultur“ tragen. Wie verrückt ist unsere Kultur?

Nun, es kommt darauf an, wie man „Vernunft“ definieren will. Ist Vernunft etwas, das mit der menschlichen Natur und den menschlichen Bedürfnissen übereinstimmt – menschliche Bedürfnisse nach Bedeutung, Verbindung, Bestätigung, Zugehörigkeit und Transzendenz? Das sind menschliche Bedürfnisse.

Diese Gesellschaft ist verrückt, weil sie diese menschlichen Bedürfnisse völlig mit Füßen tritt.

Das ist es, was es verrückt macht. Wenn jemand in dieser Gesellschaft normal ist, entspricht er einem wahnsinnigen Standard, daher der Titel des Buches.

Ich schreibe ein weiteres Buch mit meinem Sohn, und es wird den Titel „Hello Again“ tragen: Ein Neuanfang für erwachsene Kinder und deren Eltern. Sehr oft sind die Beziehungen zwischen erwachsenen Eltern und Kindern so fragmentiert, dass wir nicht einmal wissen, wie wir mit unseren Eltern umgehen sollen und umgekehrt. In diesem Buch geht es darum, diese generationenübergreifende Kluft zu überbrücken und jeder Generation zu helfen, 100 Prozent Verantwortung für ihre Rolle in der Dynamik zu übernehmen.

Einige meiner engen Freunde haben mit Angst- und Panikattacken zu kämpfen. Das sind Kerle in den späten 20er und frühen 30er Jahren. Glaubst du, dass dies immer in der Kindheit verwurzelt ist und gibt es praktische Ratschläge, die du jemandem geben würdest, der versucht, an die Wurzel zu gehen?

Sicher, im Allgemeinen glaube ich also, dass die meisten, fast alle psychischen Erkrankungen ihren Ursprung in der Erfahrung der Kindheit haben – und sie entstehen als Bewältigungsmechanismus. Zum Beispiel Angst. Wärst du nicht ängstlich, wenn ich mit einer Waffe auf dich ziele? Du hättest Angst! Wann haben wir Angst? Wenn wir mit etwas bedroht werden.

Entweder ist uns etwas Schlimmes passiert oder etwas, das wir brauchen, droht uns weggenommen zu werden.

Im frühen Leben des Kleinkindes ist Angst ein Bindungsalarm. Was ist das größte Bedürfnis des Kindes? Anhang mit dem Elternteil und Verbindung mit dem Elternteil. Wenn die Eltern nicht in der Nähe sind, sollte das Kind etwas Angst haben. Das dient einem positiven Zweck. Wenn das Kind Angst hat, weint es. Und das bringt den Elternteil. Sieh dir an, wie die Mutterkatze auf die Schreie der Kätzchen reagiert – sie ist sofort da.

So ist es auch mit Menschen, die noch mit dem Erziehungsinstinkt verbunden sind – sie werden auf den Hilferuf des Kindes reagieren. Diese Angst ist anpassungsfähig. Es ist ein Bewältigungsmechanismus.

Aber was passiert mit einer Person, deren Eltern von Experten gelehrt werden, nicht auf ihre Kinder zu reagieren, wenn sie weinen? Nun ist jene natürliche Angst, die das Weinen verursacht, die den Elternteil bringt und die Angst damit beendet, in das Kind eingebettet. Was also als Bewältigungsmechanismus beginnt, wird nun verallgemeinert.

Unter bestimmten Umständen sollte es Angst und Schrecken geben. Aber wenn ich diese Angst habe, wenn es keine unmittelbare Bedrohung gibt – worum geht es dann? Es ist keine Antwort auf etwas Äußeres, es ist die eingebettete Angst, die ich als Kind entwickelt hatte.

In einer Gesellschaft, die die Menschen immer mehr isoliert. In der der menschliche soziale Kontakt durch die eher kalte und unpersönliche Welt des Internets ersetzt wird. Und wo junge Menschen weniger Möglichkeiten für eine sinnvolle Beschäftigung und Zugehörigkeit haben als ihre Eltern – dort gibt es eine allgemeinere Bedrohung.

Wenn diese allgemeine Bedrohung Menschen trifft, die in der Kindheit in Angst versunken sind, die nicht dadurch gemindert wurde, dass die Eltern kommen, um ihnen zu helfen, haben Sie jetzt eine Angstsituation daraus entwickelt.

Wenn es um deine Freunde die unter Angst leiden geht, so würde ich sie dazu bringen, sich ihre Kindheit wirklich anzusehen und zu erkennen, dass die Angst wirklich der verzweifelte Hilferuf eines Teils von ihnen ist – und zu lernen, Hilfe für diesen Teil zu bekommen, nicht nur Alkohol zu trinken oder Beruhigungsmittel zu nehmen, um die Angst nicht zu spüren.

Tatsächlich zu sehen, dass die Angst eine normale Reaktion ihrerseits auf das ist, was tatsächlich mit ihnen passiert ist. Und dass es entlastet und wiederhergestellt werden kann, wenn man sich seine Quellen ansieht.

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der gerade erst aufwacht, um einige der Dinge zu erfahren, über die Sie sprechen, ihre eigenen Probleme und den Beginn, die Wurzeln von ihnen zu erforschen?

Weitermachen. Es ist eine fortlaufende Reise, wie Sie es sicher selbst kennen. Aber ich habe mein Epitaph geschrieben – auf meinem Grabstein geschnitzt, es wird heißen: „Es war viel mehr Arbeit, als ich erwartet hatte“. Es ist viel Arbeit, aber es ist notwendige Arbeit und es ist schöne Arbeit, weil es dich wirklich auf eine echte Weise wieder in dein Leben bringt. Es bereichert deine Beziehungen. Je mehr du dich selbst kennenlernst, desto freier bist du. Deshalb sagte Jesus: „Ihr werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch befreien“.

Jesus war ein großer Psychologe, wie alle spirituellen Meister. Er sagte auch im Thomasevangelium, dass alles, was du aus dir selbst herausholst, dich befreien wird und was du nicht aus dir herausholst, dich töten wird.

All diese Dinge, die wir mit uns herumtragen, können unangenehm, beängstigend sein…. so sehr, wie wir uns selbst dafür verurteilen, dass wir diese Probleme haben. Wenn wir uns mit einer echten Neugierde auf das, worum es geht, und mit etwas Mitgefühl dem nähern, kann es unglaublich befreiend sein.

Wenn Sie also damit begonnen haben, setzen Sie es fort. Und es gibt viele Wege. Ehre auch deinen Körper. Achten Sie darauf, dass Sie gut essen und in die Natur eintauchen und sich bewegen. Mach Körperarbeit wie Yoga, Kampfsport oder etwas anderes. Richten Sie Ihre Psyche auf Ihren Körper aus und lernen Sie beide kennen.

Sie haben in den letzten Jahren mit Ayahuasca gearbeitet. Könnten Sie uns einen kleinen Hintergrund über Ihre Arbeit mit der Pflanzenmedizin und die Rolle, die sie Ihrer Meinung nach spielen kann, geben?

Ayahuasca ist speziell eine Pflanze, die im Amazonasbecken in Peru, Kolumbien, Brasilien und Ecuador wächst.

Die Schamanen dort, übrigens mit unterschiedlichen ethnischen Hintergründen, nutzen die Pflanzen seit mindestens hundert Jahren, vielleicht sogar seit tausend Jahren oder mehr im zeremoniellen Kontext als Heilmittel. Ayahuasca ist eigentlich die Kombination von zwei Pflanzen, die von den Schamanen gekocht und gemischt werden.

Es hat die Fähigkeit, und das wurde auf Hirnscans gezeigt, Bereiche des Gehirns zu öffnen, die emotionale Erinnerungen aus der Kindheit und auch Erkenntnisse von Erwachsenen tragen. Um es auf eine sehr einfache Weise zusammenzufassen: Unter den richtigen Umständen, wenn du eine Ayahuasca Zeremonie machst, kannst du deine Kindheitserfahrung mit der Einsicht eines Erwachsenen erleben.

Auf dem Weg dorthin können Sie Visionen erleben. Ich weiß nicht viel. Ich wünschte, ich hätte es selbst getan, ich wünschte, ein paar Jaguare würden kommen und mit mir reden, aber bisher haben sie es nicht getan! Viele Leute tun das und die haben immer eine Bedeutung. Diese Bedeutung ist nicht magisch, diese Bedeutung hat mit einer gewissen Dynamik in dir selbst zu tun. Die Anakonda oder der Jaguar wird zum Symbol für etwas in dir selbst und wie sich das auch auf die Natur auswirkt.

Wir kommen aus der Natur, wir sind Teil der Natur, und sicherlich sind die Menschen im Amazonasgebiet sehr mit der Natur verbunden. Durch diese Visionen, die emotionalen Zustände der Kindheit, die Freude und die Glückseligkeit oder die Angst und den Schrecken und den Schmerz lernt man seine wahre Natur kennen. Und du kannst dich mit ihm anfreunden und ihm mit der Einsicht des Erwachsenen begegnen.

Das ist eine etwas romantische Version dessen, was passiert. Manchmal ist alles, was man bekommt, Bauchschmerzen und man muss sich übergeben. Es kann für einige Menschen mit den Ängsten und Schrecken, die in ihnen auftauchen, sehr schwierig sein.

Aber im richtigen Kontext, mit der richtigen Unterstützung und Führung können sie eine tief greifende Erfahrungen sein. Es ist nicht ungewöhnlich, Leute sagen zu hören, dass diese Zeremonien mir mehr als 10 Jahre Psychotherapie gespart haben. Ich höre das öfter.

Sie sind nicht für alle da. Du wirst entweder von ihm gerufen oder du wirst nicht von ihm gerufen. Niemand sollte sich zwingen lassen und bestimmte Leute sollten es nicht mit Macht tun.

Einige Medikamente sind damit nicht verträglich. Aber für bestimmte Menschen können es tiefe Reisen in die Seele sein.

Ich kenne ein paar Frauen, bei denen kürzlich Dinge wie Endometriose und Fibromyalgie diagnostiziert wurden. Würden Sie noch einmal sagen, dass solche Bedingungen immer in der Entwicklung der Kindheit verwurzelt sind?

Zu 100 Prozent. Wenn man tatsächlich mit diesen Frauen mit Endometriose oder Fibromyalgie spricht, handelt es sich um physiologische Prozesse. Aber wir wissen aus Wissenschaft und durch die Intuition, dass Geist und Körper nicht trennbar sind. Diese Menschen leiden immer unter starkem Stress.

Diese Belastungen haben mit der Unterdrückung des Selbst zu tun, das eigentlich in der Kindheit als Bewältigungsmechanismus begann. Ich kenne Menschen, die sich von Endometriose oder Fibromyalgie und noch bedrohlicheren Zuständen durch den Prozess der tiefen Selbsthilfe mit der entsprechenden Unterstützung geheilt haben.

Für diejenigen, die an Endometriose und Fibromyalgie leiden, empfehle ich mein Buch „Wenn der Körper Nein sagt“ zu lesen. Denn meine Einschätzung ist, dass ihre so genannte Krankheit eigentlich der Körper ist, der Nein zu den Belastungen in seinem Leben sagt, zu denen sie früher nicht Nein gesagt haben bzw. konnten.

Ich möchte sie einladen, sich ihre Beziehungen anzusehen, insbesondere zu ihren Partnern. Wie viel vom Stress des Partners nehmen sie auf sich? Wie sehr gefällt es dir bei den Leuten, die dich umgeben? Wie nett bist du zu den Leuten, egal wie du dich fühlst? Wie sehr nimmst du die Probleme anderer Menschen auf dich und ignorierst deine eigenen? Wie gut kennst du dich selbst?

Wo sagst du nicht nein, wenn du nein sagen willst, aber du hast Angst davor? Wenn sie sich mit diesen Fragen beschäftigen, wird ihr Körper sehr positiv reagieren.

Welchen Rat würden Sie Ihrem 18-jährigen Selbst geben?

Setze den Fokus nach Innen. Als 18-Jähriger war ich sehr darauf bedacht, die Welt zu verändern. Daran ist nichts auszusetzen, aber es war auch eine Flucht aus der immensen Not, die ich im Inneren trug, ohne sie sich anzusehen. Sokrates sagte, dass das ungeprüfte Leben nicht lebenswert ist, was wahr ist.

Ich würde sagen, lerne dich selbst kennen. Werde neugierig – Neugierde bedeutet, dass Sie es wirklich wissen wollen und dass Sie offen sind, um es herauszufinden und jede Art von Ergebnis. Das braucht viel, denn die Menschen haben Angst davor, was sie finden werden. Donald Trump und Hilary Clinton sagten beide, dass sie keine Psychotherapie wollen, weil sie keine Dinge über sich selbst herausfinden wollen, vor denen sie Angst haben.

Ich würde zu meinem 18-jährigen Selbst entspannt sagen, die Welt ist gutartig, sie wird dich unterstützen, du musst dich nur selbst stützen und dich selbst kennenlernen. Gib so viel Aufmerksamkeit nach Innen, nicht auf deine egoistischen Bedürfnisse, sondern auf deine wahren Bedürfnisse, wie du es auch im Außen tust. Vernachlässige nicht das eine für das andere.

Wo ist der beste Ort für jemanden, um mehr über Ihre Arbeit zu erfahren und Ihre Bücher zu kaufen?

Die Bücher sind im Buchhandel erhältlich. Sie werden jetzt in Großbritannien veröffentlicht und verkaufen sich anscheinend recht gut. Sie sind auch bei Amazon erhältlich.

In Bezug auf meine eigene Arbeit habe ich eine Website, drgabormate.com. Dutzende meiner Vorträge wurden von Leuten gefilmt und auf YouTube zu Themen wie denen, die du und ich besprochen haben, veröffentlicht.

Ich gebe jetzt einen Online-Kurs mit dem Namen Compassionate Enquiry, der ein tiefes Eintauchen in das Selbst ist. Es ist vor allem für Menschen, die als Therapeuten arbeiten und so weiter. Aber es wird in einigen Monaten auch eine Laienversion geben.

Es ist leicht, mich und meine Arbeit zu finden. Ich bin wirklich glücklich, sagen zu können, dass es genug von meiner Arbeit gibt, dass die Menschen in der Lage sein werden, sie immer zu finden, selbst wenn ich mich behindert von der Arbeit wiederfinden sollte oder meinen Untergang erleiden sollte.