Dänische Studie: Depressionen und Selbstmorde durch Anti-Baby-Pille

Eine Studie aus Dänemark (Association of Hormonal Contraception With Suicide Attempts and Suicides. American Journal of Psychiatry) läßt Vermutungen zu, dass die hormonelle Verhütung, im Volksmund Anti-Baby-Pille genannt, in Zusammenhang zu einer gehäuften Selbstmordrate gebracht werden kann. Die dänischen Forscher hatten alle Frauen in ihre Untersuchung eingeschlossen, die zwischen 1996 und 2013 ihr 15. Lebensjahr vollendet haben und vorher weder eine psychiatrische Diagnose, noch Antidepressiva oder hormonelle Verhütungsmittel eingenommen hatten. Von den erfassten, knapp 500.000 dänischen Frauen begingen 6.999 mindestens einen Selbstmordversuch, 71 begingen Selbstmord. Dabei zeigten diejenigen Frauen, die hormonell verhüteten, ein etwa doppelt so hohes Risiko für Suizidversuche – und ein sogar dreifach so hohes Risiko für vollendeten Selbstmord. Die Studie ist aber kein wissenschaftlich erhärteter Nachweis, dass die Kontrazeptiva tatsächlich für die erhöhte Depressions- und Selbstmordneigung ursächlich ist: „Ein eindeutiger Kausalzusammenhang konnte auf Basis der Gesamtheit der Daten nicht ermittelt werden“, erklärt das Bundesinstitut für Arzneimittel.

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Diese signifikanten Ergebnisse der Studie bewegten jedoch den zuständigen Ausschuss der Europäischen Arzneimittelbehörde EMA im Oktober 2018 zu der Entscheidung, dass sowohl der Beipackzettel wie auch die an Ärzte und Apotheker gerichtete Fachinformation von hormonellen Verhütungsmitteln überarbeitet werden müssen. Nun werden in die Beipackzettel der hormonellen Verhütungsmittel, sowohl Pillen als auch Hormonspiralen und Spritzen, Warnungen vor Depressionen und Selbstmordneigungen aufgenommen. „Depressionen können schwerwiegend sein und gelegentlich zu Selbsttötungs­gedanken führen“ lautet die Formulierung. Der Rote-Hand-Brief beziehe sich auf alle hormonellen Verhütungsmittel, erklärte ein BfArM-Sprecher (Bundesinstitut für Arznei­mittel- und Medizinprodukte).

In die Beipackzettel soll neu aufgenommen werden:

Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen

Psychiatrische Erkrankungen:

Manche Frauen, die hormonelle Verhütungsmittel wie {Bezeichnung des Arzneimittels} anwenden, berichten über Depression oder depressive Verstimmung. Depressionen können schwerwiegend sein und gelegentlich zu Selbsttötungsgedanken führen. Wenn bei Ihnen Stimmungsschwankungen und depressive Symptome auftreten, lassen Sie sich so rasch wie möglich von Ihrem Arzt medizinisch beraten.

Zudem solle der Warnhinweis Apotheker und Ärzte sensibilisieren, „ihre Patientinnen entsprechend aufzuklären, sowie die Patientin informieren, ihren Arzt aufzusuchen, sobald Stimmungsänderungen und depressive Symptome auftreten“, heißt es in dem Schreiben.Tatsächlich ist bekannt, dass depressive Verstimmungen und Depressionen als Nebenwirkung hormoneller Verhütungsmittel auftreten können. Depressionen können schwerwiegend sein und sind ein Risikofaktor für Suizid.

Einer der größten Hersteller für Verhütungsmittel ist Bayer – die Pharmafirma hatte sich beim Magenmittel Iberogast zunächst juristisch dagegen gewehrt, vom BfArM vorgeschriebene Warnhinweise zu seltenen Leberschädigungen in den Beipackzettel aufzunehmen, bis es zu einem womöglich durch Iberogast ausgelösten Todesfall kam.