Chinas neue Dämme in Tibet – Der Zusammenbruch Tibets

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Unbemerkt vom Rest der Welt arbeitet eine Armada von chinesischen Bauarbeitern daran, das Gesicht Tibets dauerhaft zu verändern. Um seine Menschen mit Strom und Wasser zu versorgen, baut China riesige Staudämme, plant die Umleitung ganzer Flüsse in Tibet und gefährdet damit die Versorgung von Hunderten von Millionen von Menschen in Indien, Bangladesch und Südostasien.

Chinas Behörden wollen in Tibet die Energiegewinnung durch Wasserkraft massiv ausbauen. Mehr als 100 Staudämme sollen in den kommenden Jahren an den sieben großen Flüssen Salween, Brahmaputra, Irrawaddy, Indus, Ganges, Gelber Fluss und Jangtse gebaut werden. Wer an den Flüssen wohnt, wird zwangsweise umgesiedelt. Von den Stauseen im Himalaya sind nicht nur die sechs Millionen Tibeter betroffen, sondern auch hunderte Minderheiten an den Unterläufen dieser Flüsse.

Staudämme werden die Zerstörung von 133 000 Quadratkilometer Feuchtgebiet in Tibet beschleunigen. Vom Verschwinden der Feuchtgebiete und vom Auftauen von 1,5 Millionen Quadratkilometer Dauerfrostböden in Tibet gehen akute Gefahren für das Weltklima aus, da diese Böden gigantische Kohlendioxidspeicher sind. Chinas Regierung will mit mit dem Ausbau der Wasserkraft billige Energie für ihre Industrie erzeugen.
Mit Blick auf die Zukunft ein weiteres mögliches Konfliktthema zwischen Indien und China:  Einige der wichtigsten Ströme Süd- und Südostasiens entspringen in Tibet, unter anderem der Brahmaputra. Sein Wasser ist unerlässlich für die Versorgung großer Teile Indiens und Bangladeschs. In Anbetracht der großen Dürreprobleme sowohl in Nordchina als auch in Indien könnten Fragen der Wassernutzung zu einem erheblichen Konfliktpotential werden.

Der Tod eines heiligen Sees

Wer heute durch die Berge und Täler im Hochland von Tibet reist, der trifft nicht nur auf friedliche Mönche und genügsame Yaks, sondern vor allem auf Betonmischer und Zementfabriken. Überall an den Flüssen, oft nur wenige Kilometer voneinander getrennt, wird gebohrt und betoniert, entstehen neue Staudämme und Stauseen. China plant riesenhafte Staudämme, um aus der Kraft des Tsangpo, wie er dort heißt, Strom zu gewinnen. Ein indischer Fluss unter chinesischer Kontrolle: So könnte das Wasser zur Waffe werden, zum strategischen Werkzeug zwischen zwei der mächtigsten Staaten der Welt.

Die Dämme stellen nicht nur eine latente Gefahr für die Umwelt der Region dar. Sie bedrohen auch den labilen Frieden zwischen Indien und China. Der Jarlung Tsangpo fließt weiter nach Indien und Bangladesch, wo er Brahmaputra heißt und Trinkwasser sowie Wasser zur Bewässerung der Felder von mehreren hundert Millionen Menschen auf dem indischen Subkontinent liefert. Indische Regierungsvertreter sind deswegen schon mehrfach in Peking vorstellig geworden.

Schon seit Jahren besteht die Befürchtung, dass die chinesische Regierung  Wasser vom Yarlung Tsangpo in die von häufiger Dürre betroffenen Gebiete Chinas ableiten könnte. Außerdem ist die Gegend seismisch instabil. Die Kontinentalplatte, auf der Indien liegt, schiebt sich nordwärts unter die asiatische Kontinentalplatte, wodurch der Himalaya angehoben wird, was zu verheerenden Erdbeben führt. Durch Staudämme wird weiterhin der Schlicksand zurückgehalten, der normalerweise in die Überflutungsebenen Indiens und Bangladeshs gespült wird und dort für ein fruchtbares Land und eine stabile Höhe des Geländes sorgt, was angesichts des steigenden Meeresspiegels lebensnotwendig ist.

Heilige Seen und sakrale Orte der Tibeter werden zerstört, Flüsse umgeleitet, die Erosion an Berghängen und in Tälern geschürt, Menschen zwangsumgesiedelt und tiefe Eingriffe in Natur und Ökologie vorgenommen.

Tibeter fürchten, dass durch die Staudämme noch mehr Bergrutsche ausgelöst werden, da Chinas Ingenieure auch engste Täler für Stauseen nutzen. Hinzu kommt, dass die Region akut erdbebengefährdet ist und es nur eine Frage der Zeit ist, wann die Mauer eines Großstaudamms bersten und eine Katastrophe auslösen wird. Das Risiko eines großen Unfalls wird auch durch die notorisch schlechte Bauqualität erhöht. Selbst staatliche chinesische Stellen bemängeln den Pfusch am Bau, der bei einer Staudamm-Katastrophe Tausende Menschen das Leben kosten könnte.

INFOBOX

Die Chinesische Herrschaft in Tibet

China hat den einst friedlichen Pufferstaat zwischen China und Indien in eine riesengroße Militärzone verwandelt

  • Über 6000 Klöster wurden zerstört
  • Tausende von Tibetern schmachten immer noch in Gefängnissen
  • Über 1,2 Millionen Tibeter wurden getötet
  • Die natürlichen Ressourcen Tibets und die anfällige Ökologie werden irreversibel ausgebeutet
  • Es gibt Beweise, dass Tibet zur Lagerung von nuklearem Abfall benützt wird
  • 6 Millionen Tibeter werden bereits von schätzungsweise 7,5 Millionen Chinesen in Tibet übertroffen
  • Tibet wurde in eine riesengroße Militärbasis verwandelt Quelle

Volksaufstand in Tibet am 10. März 1959

Chinas kommunistische Partei erhob nach ihrer Machtübernahme im Jahr 1949 den Anspruch, ihre Kontrolle über Tibet zu festigen und die Region von „imperialistischen Kräften” und dem „Feudalregime” zu befreien. Bis Oktober 1950 rückte die Volksbefreiungsarmee in tibetische Siedlungsgebiete in der Provinz Kham ein und verhaftete den tibetischen Gouverneur Ngawang Jigme Ngabo. Auch in der Provinz Amdo weiteten die chinesischen Militärs ihre Kontrolle immer weiter aus. Dabei vermieden sie offene, bewaffnete Auseinandersetzungen mit der tibetischen Armee, um die internationale Öffentlichkeit nicht auf die völkerrechtswidrige Besetzung aufmerksam zu machen. Angesichts des Vormarsches der Volksbefreiungsarmee zogen sich der damals 15 Jahre alte Dalai Lama und die bedeutendsten tibetischen Regierungsvertreter nach Yatung in der Nähe der indischen Grenze zurück, um von dort aus die Regierungsgeschäfte fortzuführen.

Im Juli 1951 überredeten chinesische Abgesandte den Dalai Lama, in die tibetische Hauptstadt Lhasa zurückzukehren. Nur zwei Monate später rückten 3000 chinesische Soldaten nach Lhasa ein. 1954 waren bereits 220 000 chinesische Soldaten in Tibet. Es herrschte eine Hungersnot, da die landwirtschaftliche Produktion den vielen Veränderungen und dem Zuzug so vieler Menschen nicht gewachsen war. Der Widerstand der Tibeter gegen die chinesische Besetzung wuchs. Erste bewaffnete Aufstände brachen 1956 in den Provinzen Kham und Amdo aus, sodass weitere chinesische Truppen in diese Unruhegebiete verlegt wurden. Klöster wurden bombardiert und geplündert, führende Mönche wurden festgenommen, öffentlich gefoltert und hingerichtet. Doch die Repression schürte nur den Widerstand der Tibeter. Bürgergruppen organisierten gewaltfreie Proteste gegen die Besatzungsmacht. Schließlich wurden bis zu 30 000 chinesische Soldaten nach Lhasa verlegt, um jeden Widerstand im Keim zu ersticken. In verschiedenen Regionen Tibets brachen Kämpfe zwischen chinesischen Truppen und Tibetern aus.

Rund 10 000 Flüchtlinge aus den umkämpften Gebieten suchten in den Außenbezirken der Hauptstadt Zuflucht. Schließlich drohten führende chinesische Militärs im Dezember 1958 mit der Bombardierung Lhasas und des Potala-Palastes. Auch in der Umgebung der tibetischen Hauptstadt kam es zu Kämpfen zwischen tibetischen Freiheitskämpfern und chinesischen Soldaten. Die Angst der Tibeter um die Sicherheit des Dalai Lama nahm zu. Als er Anfang März 1959 mehrfach von chinesischen Offizieren zum Besuch des chinesischen Hauptquartiers ohne seine Leibwache gedrängt wurde, schöpften viele Tibeter Verdacht.

Daher umstellten 30 000 Tibeter zum vorgesehenen Zeitpunkt des Besuches am 10. März den Norbulingka-Palast, um ihr Oberhaupt vor Übergriffen chinesischer Soldaten zu schützen. Der Dalai Lama verließ daraufhin den Palast nicht und sagte seinen Besuch in dem chinesischen Militärlager ab. Am 12. März 1959 protestierten 5000 Frauen in den Straßen Lhasas mit Spruchbändern „Tibet den Tibetern” gegen die chinesische Besatzungsmacht. Demonstranten errichteten erste Straßenbarrikaden, die chinesischen Truppen verstärkten ihre Bewaffnung. Bis zu 50 000 chinesische Soldaten und schwere Artillerie wurden in die Umgebung Lhasas verlegt, nachdem die Spannungen in der Stadt immer mehr zunahmen. Am 17. März feuerten sie zwei Mörsergranaten auf den Norbulingka-Palast ab, die schließlich den Dalai Lama zur Flucht bewegten. Verkleidet als chinesischer Soldat wagte er sich durch die chinesischen Linien. Nach 14 Tagen erreichte er das indische Exil. In Lhasa eskalierte währenddessen die Gewalt.

Am 19. März lieferten sich Tibeter Kämpfe mit chinesischen Soldaten. Die Besatzungsstreitkräfte schossen am 21. März 800 Granaten auf den Norbulingka-Palast ab. Dabei wurden Tausende Frauen, Männer und Kinder getötet, die an der Palastmauer gezeltet hatten. 200 Angehörige der Leibwache des Dalai Lama wurden von chinesischen Soldaten entwaffnet und standrechtlich erschossen. Auch gerieten alle bedeutenderen Klöster in Lhasa unter Feuer der chinesischen Truppen. Die zwei Klöster Sera und Drepung wurden dabei zerstört. Tausende Mönche wurden bei den Angriffen getötet oder verschleppt, um Zwangsarbeit zu leisten. Die Kämpfe dauerten nur wenige Tage, da der tibetische Widerstand den chinesischen Truppen zahlenmäßig stark unterlegen und schlecht ausgerüstet war. Chinesische Soldaten durchkämmten alle Straßen und Häuser, beschlagnahmten Waffen und erschossen die Bewohner. Insgesamt fielen dem Terror chinesischer Soldaten in Zentraltibet 86 000 Menschen zum Opfer. Quelle

Der Konflikt zwischen Tibetern und der chinesischen Führung eskalierte nach den Unruhen im März 2008 weiter. Seit Februar 2011 zündeten sich über 120 Tibeterinnen und Tibeter aus Protest selbst an. Die chinesische Regierung setzt weiterhin auf einseitige Wirtschaftsentwicklung und Repression.

Er gilt als einer der wildesten und auch wasserreichsten Flüsse der Erde: der Brahmaputra, der „Sohn von Brahma”. Während des Monsuns kann er bis zu 30 Kilometer breit werden. Von seiner Quelle am heiligen Berg Kailash in Tibet fließt er unter verschiedenen Namen gut 3000 Kilometer lang durch China, Indien und Bangladesch.

China will den Wasserreichtum des tibetischen Hochlands um jeden Preis wirtschaftlich nutzen und so könnte der Himalaya schon bald die Region mit der größten Dichte an Staudämmen in der Welt werden. Denn ohne Rücksicht auf die Bedenken von Tibetern plant und baut China immer neue Wasserkraftprojekte auf der Hochebene. Im Januar 2013 genehmigte der Chinesische Staatsrat drei neue Dammprojekte am Brahmaputra und 13 weitere Staudämme am Oberlauf des Salween-Flusses. Allein am Oberlauf des Brahmaputra sollen noch 28 Staudämme entstehen. Quelle

Wir haben für Sie einen Beitag von Oneindia übersetzt

Durch Staudämme wird der Brahmaputra nicht wieder dieselbe sein

Post dams Brahmaputra won’t be same again‘ Updated: Sunday, February 15, 2015,

Wenn alle großen Dämme, die China in Tibet geplant hat, in Betrieb gehen, wird der Brahmaputra nie wieder der selbe sein, warnt ein Kanadischer Umweltexperte, der extensive Forschungen zu diesem Thema betrieben hat.

„Zurzeit bauen chinesische Ingenieure an der Konstruktion einer 5-Dämme-Kaskade im mittleren Bereich des Tsangpo (Brahmputra). Der Zhangmu-Damm mit einer Kapazität von 540 MW ist bereits in Betrieb. Der Damm liegt 86 Meilen südöstlich von Lhasa. Die weiteren Dämme dieser Kaskade sind im Bau”, so Michael Buckle.

„China behauptet, dass diese Dämme keine Auswirkungen auf den weiteren Verlauf des Flusses haben würden, aber Tatsache ist, dass dies nur der Anfang ist – größere und und nochmal größere Pläne sind schon auf dem Zeichenbrett – wie der 800-MW Zhongyu-Damm. Innerhalb Tibes sind mindestens 20 große Dämme am Tsangpo und seinen Nebenarmen geplant. Wenn die alle in Betrieb sind, wird der Fluss nicht mehr der selbe sein”. Buckley hat auch ein Buch geschrieben: „Der Zusammenbruch Tibets (Meltdown in Tibet): Chinas rücksichtslose Vernichtung des Ökosystems, angefangen im Hochland Tibets bis zum Delta in Asien”. In diesem Buch versucht er, den Fokus auf die dunkle Seite Chinas auf dem Weg zu einer Super-Weltmacht zu lenken. Das Buch, das im Palgrve Macmillan Verlag erschien, hat ein Vorwort des Dalai Lama, in der der spirituelle Führer Tibets sagt, dass „Meltdown in Tibet” ein Weckruf an die internationale Gemeinde und China sein sollte, um Ökologie und Umweltschäden im Hochland Tibets einer neuen ernsthaften Prüfung zu unterziehen.

Die Auswirkungen auf Assam und Arunachal Pradesh auf Grund der im Bau befindlichen Dämme am Brahmaputra und weiteren Flüssen Chinas bergen für das empfindliche Ökosystem große Gefahren, sagt Buckley.

'Chinese Dämme eine Bedrohung für die Ökosysteme'Post dams Brahmaputra won’t be same again

New Delhi, Feb 15: If all the large dams proposed by China on rivers within Tibet begin operations, the Brahmaputra river will never be the same again, warns a Canadian environmentalist who has done extensive research on the subject.“Currently, Chinese engineers are constructing a five-dam cascade on the mid-reaches of the Tsangpo (Brahmaputra). Zhangmu Dam, with a capacity of 540 MW, has already started operation. The dam lies 86 miles southeast of Lhasa. Construction is under way on the other dams in this cascade,“ says Michael Buckle

„China claims these dams will have no impact downstream, but the fact is that these dams are just the start of things, with bigger and bigger dams on the drawing-board, such as 800-MW Zhongyu Dam on a Yarlung Tsangpo tributary. Within Tibet, at least 20 large dams are planned for the Tsangpo (Brahmaputra) and its tributaries. If all go into operation, the river will never be the same again,“ he told PTI. Buckley has also written a book „Meltdown in Tibet: China’s Reckless Destruction of Ecosystems from the Highlands of Tibet to the Deltas of Asia“ in which he tries to focus on the darker side of China’s emergence as a global super power.The book, published by Palgrave Macmillan, has a preface by the Dalai Lama in which the Tibetan spiritual leader says that „Meltdown in Tibet“ should be „part of a wake-up call to the international community and China to seriously assess ecological and environmental conditions on the Tibetan plateau and take remedial measures.“ On the ecological impact on Assam and Arunachal Pradesh due to the construction of big dams on the Brahmaputra and other rivers by China, Buckley says the fragile ecosystem is at risk.