Bio-Eier: Die Hennen leiden und die Kunden werden beschummelt (+Video)

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Die Deutschen geben gern etwas mehr aus, wenn sie wissen, dass dafür Tiere ein würdiges Leben führen, nicht gequält und ausgebeutet werden und die Lebensmittel gesund und unbelastet ist. Bio liegt daher im Trend und die Supermärkte und Discounter haben sich darauf gestürzt. Aldi, Lidl, Penny … sie alle warten mit maigrün gestalteten Bio-Verpackungen auf. Natürlich soll auch das Ei für’s Frühstück von glücklichen Hühnern kommen, die frei herumlaufen und scharren und kratzen können: Also aus biologischen Betrieben oder zumindest aus Freilandhaltung. Das gute Gewissen bezahlt der deutsche Michel gern. Doch „bio“ bedeutet nicht unbedingt „Tierwohl“. Das beweist eine Dokumentation der Redaktion „SWR betrifft“: Die Autoren Monika Anthes und Edgar Verheyen zeigen in dem Bericht „Gefälschte Eier – Wie uns die Industrie austrickst“ den krassen Unterschied zwischen den Erwartungen der Käufer und den tatsächlichen Zuständen auf Bio-Hühner-Gehegen. Bei Eiern setzen viele Verbraucher darauf, dass diese aus biologischer oder zumindest aus Freilandhaltung kommen. Die „betrifft“-Autoren fragen: Können Verbraucher wirklich dem trauen, was auf dem Ei steht? Und kommen in vielen Fällen zu der Erkenntnis: Das Ei lügt.

Etwa zehn Prozent aller in Deutschland verkauften Eier werden als „Bio“-Eier angepriesen und hochpreisig verkauft. Da greift man gern zu, denn man glaubt ja, das sind Eier von gesunden und glücklichen Hennen, die sich auf der Wiese auch mal einen Regenwurm schnappen und im Sandbecken in der Sonne dösen dürfen. Mitnichten ist das so. Die Landwirte haben oft sehr enge Preisvorgaben. Bestellt werden Bio-Eier, weil der Kunde sie will, aber gefeilscht wird um jeden Cent. Die Lebensmittelindustrie kennt alle Tricks, Bauern müssen sich oft fügen und die Politik hält still.

Jedes Ei trägt einen eindeutigen Code aufgestempelt. Dieser enthält alle Informationen über das Ei. Zum Beispiel, aus welcher Haltung das Ei kommt, ob es ein Bio-, Freiland-, Boden- oder Käfighaltungs-Ei ist, ja, sogar von welchem Bauernhof das Ei stammt, kann man dem Code entnehmen. Für ihre Doku-Reportage „Gefälschte Eier – Wie uns die Industrie austrickst“ tourten die SWR-Reporter Monika Anthes und Edgar Verheyen monatelang durch Deutschland und seine „Bio-Geflügelhöfe“ , um direkt vor Ort zu sehen, wie die Eier produziert werden. So manchem Zuschauer mögen da die Augen auf- und der Appetit vergangen sein.

Bio-Höfe könnten das Vertrauen sehr einfach zurückgewinnen: Eine Life-Webcam im Betrieb zeigt dem Kunden, wie die Hühner leben. Wer die Seriennummer im Internet auf einer Webseite der Bio-Hühnerhöfe eintippt, bekommt – wenn der Bauer eine Kamera installiert hat –  sofort live zu sehen, wie es da zugeht. Eine HD-Webcam kostet heute unter 50 Euro, so wild ist die Anschaffung nicht. Und wenn die Leute sehen, dass da fröhliche Hühner herumturnen, dann legen sie auch gern nochmal 50 Cent drauf auf die Packung und wollen genau diese Eier kaufen. Das würde sehr schnell den Bauern belohnen für seinen Anstand gegenüber den Tieren und die Tierquäler und erpresserische Einkaufsstrategien der Händler abstrafen.